Verschlafen…

Kapitel 4

Etwa 2 Wochen später begann das Anch in der Hand von Craig plötzlich zu blinken. Erst war es nur die rote Lampe, aber dann blinkten auch alle anderen Lampen im Wechsel. Craig selber, sowie alle anderen an Bord des Schiffes lagen weiter im Tiefschlaf. Das Anch suchte nach einem Code oder eher nach einer Frequenz. Es probierte zahlreiche Kombinationen aus, bis es nach mehreren Stunden endlich das gefunden hatte, wonach es gesucht hatte. Die Schlafkammer von Craig klackte und zischte an mehreren Ecken und langsam öffnete sich die ganze Tiefschlafkammer. Das automatische Kontrollsystem schaltete die Tiefschlafautomatik in Craig´s Schlafkammer ab. Es dauerte noch einige Stunden bis der Brudermeister der BDC aus seinem Tiefschlaf erwachte. Er brauchte ein paar Minuten, um zu realisieren, wo er war. Er schaute sich seinen heiliges Anch in seiner Hand an, musste grinsen und sagte laut: „Oh mein geliebtes Anch, du heiliges Relikt aus längst vergangenen Tagen!“ Dann warf er es achtlos wie ein Stück Elektroschrott auf den Boden und lachte laut: „Diese Trottel von der DNG erkennen noch nicht mal einen selbstgebauten Frequenzscanner!“ Noch sichtlich von den Nachwirkungen des Tiefschlafs mitgenommen, kletterte Craig aus seiner Kammer. Er torkelte durch den Raum und betrachtete die anderen Tischschlafkammern in diesem Raum. Er brauchte etwa 10 Minuten um zu verstehen, wie die Kammern auf regulärem Weg abgeschaltet werden. Er ging der Reihe nach alle Kammern in diesem Raum ab und holte somit die ersten Anhänger der BDC aus dem Tiefschlaf. Er sah im Nachbarraum weitere Tiefschlafkammern und überlegte schon, wie er die Tür öffnen könnte. Doch als er näher trat, öffnete sich die Tür schon von ganz alleine. Er ging in den Nachbarraum und sah weitere Tiefschlafkammern. Nachdem Craig sich überzeugt hatte, dass es sich ebenfalls um Anhänger der BDC handelt, schaltete er auch diese Schlafkammern ab. Dann machte er sich erstmal auf die Suche nach was zu essen.

Viele Stunden später waren bereits weitere Mitglieder der BDC aufgewacht und hatten sich von den Nachwirkungen des Tiefschlafes teilweise wieder erholt. Craig hatte Kane und einige andere um sich versammelt. Er besprach mit ihnen die Lage: „Zuerst die guten Nachrichten: Wie ihr alle sehen könnt, hat der Frequenzwandler funktioniert, den Bosko gebaut hat. Diese Idioten haben mir die Geschichte mit dem Anch wirklich abgekauft. Ich konnte hier und im Nebenraum alle Tiefschlafkammern abschalten. Da hinten gibt es einen kleinen Lagerraum mit diversen Werkzeugen und einigen Notrationen. Nicht wirklich lecker, aber der Hunger treibt´s hinein. Die anderen Türen raus auf die Gänge sind verschlossen, dafür braucht man anscheinend einen Code oder eine Zugangskarte. Aber das scheinen keine Hochsicherheitstüren zu sein. Bosko, schau mal, ob du mit den Werkzeugen diese Türen aufbekommst. Kane, du hast dir gemerkt, wo die anderen Schlafkammern von unseren Brüdern und unsere Lagerräume sind?“ Kane nickte grinsend. Nur etwa 2 Stunden später hatte Bosko die Steuerungskonsole von einer der Außentüren derart manipuliert, dass der Weg nun frei war. Man teilte sich auf und nach einiger Zeit hatte Bosko noch ein paar weitere Sicherheitstüren geknackt. Die restlichen Anhänger der BDC wurden aus dem Tiefschlaf geholt und auch die Lagerräume mit dem allen Gegenständen von Fury 161 waren mittlerweile geöffnet. Craig rief etwa ein Dutzend Männer zusammen und studierte einen Schiffplan, welchen Kane gefunden hatte. Schnell hatten sie das nächste Ziel auf dem Plan gefunden: Die Brücke. So arbeiteten sie sich mit Bosko´s Hilfe von Tür zu Tür der Brücke entgegen. Es dauerte zwar einige Stunden, aber sie kamen vorwärts. Die komplette DNG-Besatzung lag ja noch schlummernd im Tiefschlaf und konnte sie nicht stören. Auf dem Weg zur Brücke entdeckte Kane plötzlich ein interessantes Schild an einer Seitentür: „Captain Scott“. Kane rief Craig zu sich. Dieser konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen und sagte: „Wen haben wir denn hier? Bosko, zuerst diese Tür! Bin ja gespannt, was wir hier hinter finden.“ Bosko fluchte und war kurz vorm verzweifeln, aber nach etwa 14 Stunden harter Arbeit, öffnete sich auch diese Tür. Craig und Kane verschwanden sofort in den Raum und Bosko machte sich nach einer kurzen Pause wieder an die Türen zur Brücke.

Es dauerte weitere 7 Tage, bis auch die letzte Sicherheitstüre zur Brücke geöffnet wurde. Craig und einige andere aktivierten sämtliche Konsolen auf der Brücke und verschafften sich erstmal einen Überblick. Als Erstes wollten sie den Autopiloten auf einen anderen Kurs programmieren, aber dies war ohne die höchste Sicherheitsstufe nicht möglich. Selbst Bosko gab nach einer Zeit auf. „Das übersteigt meine Fähigkeiten, da muss ich leider passen.“ Craig fragte: „Können wir den Autopiloten nicht einfach abschalten und manuell steuern?“ Bosko überlegte kurz und sagte dann: „Theoretisch kann ich ihn gewaltsam aus dem ganzen System entfernen, aber das wäre dann endgültig. Ohne Autopiloten bei halber Lichtgeschwindigkeit zu fliegen ist sehr gewagt. Wir könnten mit Tausend anderen Sachen im All kollidieren. Und eine Landung wäre sicher äußerst kompliziert. Also ja, es wäre möglich, aber ich würde davon abraten!“ Craig zögerte keine Sekunde: „Schalte den Autopiloten ab!“ Bosko wollte noch was sagen, aber an Craigs Gesichtsausdruck erkannte er dessen Entschlossenheit und machte sich ans Werk. Kane fragte Craig: „Fliegen wir dann zurück zu Fury 161 und sammeln unsere Rohstoffe ein?“ Craig schüttelte mit dem Kopf: „Nein, wenn die DNG mitbekommt, dass wir ihr Flaggschiff gekapert haben, werden sie mindestens ein Schlachtschiff der Goliath-Klasse nach Fury 161 schicken. Das würden wir nicht überleben. Lass uns mal schauen, welche Planeten es hier in diesem System noch gibt.“ Sie ließen sich das Iorax-System auf einem Monitor anzeigen und suchten die eingezeichneten Planeten ab. Nach kurzer Zeit tippe Craig mit dem Finger auf einen kleinen, unscheinbaren, roten Planeten und sagte: „Hier, das ist die Lösung: Ronith-4. Das ist ein ehemaliger Gefängnisplanet der Vereinten Konföderation. Jeder der irgendwo auf einem der zivilisierten Planeten gegen die lokale Regierung handelte, wurde still und leise zur Zwangsarbeit auf Ronith-4 abgeschoben. Ich war vor vielen Jahren mal eine kurze Zeit dort. Hatte aber das Glück zur richtigen Zeit dorthin gekommen zu sein. Menschenrechtler hatten gegen diese menschliche Säuberung der Unterschichten erfolgreich geklagt. So wurden die Sicherheitskräfte abgezogen und die ehemaligen Sträflinge sich selbst überlassen. Einige flohen zurück in ihre jeweilige Heimat, andere machten Ronith-4 zu ihrer neuen Heimat. Das ist wie ein Schmugglernest aus einem dieser alten Piratengeschichten von damals. Dort können wir sogar mit einem Schiff dieser Größe landen, ohne dass es gleich der ganze Sektor weiß. Und die Flugzeit von 3 Monaten ist auch akzeptabel. Vielleicht können wir dort teile des Schiffs verkaufen und uns so ein neues Zuhause aufbauen. Holt einen fähigen Piloten auf die Brücke, wir fliegen nach Ronith-4.“

Der rote Planet Ronith-4 war bereits in Sichtweite. Man konnte ihn schon klar durch ein Fenster auf der Brücke sehen. Die BDC hatte in den letzten Monaten der Reise weitere Sektionen der Canyonbreed geöffnet. Sie hatten unter anderem auch mehrere Waffenkammern gefunden und sich dementsprechend bewaffnet. Sie waren allerdings nicht in alle Sektionen vorgedrungen. So war ihnen z.B. immer das Hauptquartier verwehrt geblieben. Ansonsten hatten die Anhänger der BDC sich auf dem Schiff regelrecht ausgetobt. Sie hatten Zeit diverse Dinge umzubauen und umzuprogrammieren. Denn die komplette DNG-Besatzung und die Siedler schlummerten immer noch im Tiefschlaf. Craig wollte die Besatzung und die Siedler als Druckmittel oder zum Erpressen von Lösegeldern gefangen halten. Und im Tiefschlaf stellten sie keine Gefahr dar, noch verbrauchten sie Lebensmittel. Ronith-4 lag nur noch mehrere Flugstunden entfernt. Die BDC bereitete sich auf die Landung vor und auf Ronith-4 hatte Craig seine Rückkehr bereits per Funk angekündigt. Es gab sogar noch einige Bekannte auf dem ehemaligen Gefängnisplaneten. Alles verlief nach den Vorstellungen von Craig, bis plötzlich ein Alarm seine Zufriedenheit verschwinden ließ. Der Pilot der Canyonbreed schrie nur: „Asteroidenfeld!“ Und schon gab es den ersten Einschlag. Das Backbordtriebwerk wurde getroffen. Man konnte deutlich eine Explosion sehen. Und schon hagelte es weitere Einschläge. Kleine und mittelgroße Asteroiden schlugen auf der Caynonbreed ein. Craig konnte nur schreien: „Schutzschild! Schutzschild!“ Der Pilot schrie zurück: „Wie? Wo? Wo ist der Knopf dafür?“ Hektisch drückte er irgendwelche Schalter auf seiner Steuerkonsole. Da kam Bosko auf die Brück gesprintet, hechtet über eine Reihe Computerterminals und drückte gleichzeitig 2 Knöpfe an einer Wandkonsole. Etwa 3 Sekunden später hatte sich der Schutzschild komplett um den Bug der Canyonbreed aufgebaut und wehrte nun alle kommenden Asteroiden ab. Die Männer auf der Brücke beobachteten zusammen die letzten Asteroiden, welche noch durchgerutscht sind, bevor der Schutzschild komplett aufgebaut war. Es gab noch 2 weitere kleine Explosionen und wie in Zeitlupe beobachteten alle das letzte mittelgroße Stück, welche unaufhaltsam auf die Brücke zusteuerte. Der Pilot versuchte ein Ausweichmanöver nach Backbord. Aber das Schiff war zu schwerfällig für solch schnelle Drehungen. Der Asteroid traf mit voller Wucht das Steuerbordtriebwerk. Es fing direkt Feuer, aber das automatische Löschsystem reagierte sofort und verhinderte eine vollständige Zerstörung des Triebwerks. Einige weitere Asteroiden verglühten am Schutzschild und so zog das gesamte Asteroidenfeld an der Canyonbreed ohne weitere Treffer vorbei. Auf der Brücke blinkten jede Menge Warnlampen. Craig ließ sich vom Bordcomputer einen Schadensbericht anzeigen lassen. Beide Haupttriebwerke waren ausgefallen, die Hilfstriebwerke funktionierten noch. Diese waren allerdings nicht für längere Strecken ausgelegt, sondern nur für Kurskorrekturen und um das Schiff in einer stabilen Umlaufbahn zu halten. Den Langstrecken-Transmitter hatte es mit einem Asteroiden komplett weggehauen. Es gab zwar mehrere kleinere Einschläge über das ganze Schiff verteilt, aber die Außenhülle wurde nicht beschädigt. Die Energieversorgung und die Lebenserhaltungssysteme arbeiteten weiterhin einwandfrei. Das Schiff war zwar in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, aber es bestand zurzeit keine Lebensgefahr für die Menschen an Bord. Craig befahl dem Piloten Ronith-4 mit den Hilfstriebwerken anzusteuern. Dieser versuchte verschiedene Manöver, aber dies korrigierte nur noch die aktuelle Lage der Canyonbreed. Das Schiff glitt noch eine zeitlang dem roten Planeten entgegen, bis es aufgrund mangelnden Antriebs erst immer langsamer wurde und schließlich zum Stillstand kam. Der Pilot sagte: „Ich kann das Schiff in eine stabile Position der stationären Umlaufbahn von Ronith-4 bringen. Aber landen können wir alleine mit den Hilfstriebwerken nicht.“ Craig überlegte kurz und schaltete dann einen der Bildschirme durch die verschiedenen Überwachungskameras der Canyonbreed. Dann entdeckte er einen der Hangars mit mehreren Shuttles. Dann wandte er sich an Bosko: „Wenn wir die Canyonbreed nicht runter bekommen, nehmen wir eben ein Shuttle. Hier im Hangar stehen mehrere. Mach einige startklar.“ Plötzlich meldete sich Kane: “Ähm Craig, ich habe hier noch was anderes auf den Monitoren gefunden. Schau mal!“ Alle schauten gebannt auf den Bildschirm. Es zeigte die Tiefschlafkammern der DNG-Crew. Eine Kammer nach der anderen öffnete sich langsam. Craig wurde hektisch: „Wenn die alle aufwachen, will ich hier nicht mehr an Bord sein. Wir starten so schnell wie möglich ein paar Shuttles.“ Etwas später startete Craig mit einigen anderen Anhängern der BDC ein Shuttle in Richtung Ronith-4. Weitere Shuttle sollten folgen, aber andere Mitglieder der BDC blieben an Bord, verschanzten sich und wollten kämpfen. Sie hatten anscheinend keine Lust auf einen ehemaligen Gefängnisplaneten. Auf Ronith-4 wurde Craig von einigen Sträflingen empfangen und er musste sein Shuttle direkt wieder abgeben. Die Sträflinge sahen das Ankommen der Canyonbreed als Chance ihren recht trostlosen Planeten mit jeder Menge neuer Annehmlichkeiten auszustatten. Sei es durch Ausbau von Modulen oder durch den Verkauf von Ersatzteilen an zwielichtige Händler. Sie wollten auf jeden Fall auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Und so machten sich noch eine Handvoll selbstgebauter kleiner Transportmaschinen mit den verschiedensten Insassen auf zur Canyonbreed.

 

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Autor: Kallisto

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