Die Rettungsmission

Kapitel 2

Es war der 19.08.2575 als ein Alarm die Ruhe an Bord störte. Der Bordcomputer ließ die Kälteschlafkammern von etwa zwei Dutzend Crewmitgliedern öffnen. Nach einigen Stunden stand jemand an der geöffneten Kammer von Captain Scott und rüttelte ihn wach. Scott öffnete ein Stück weit die Augen, konnte aber nicht erkennen wer vor ihm stand. Seine Augen mussten sich erst an das Licht gewöhnen. Dann sagte die Person vor ihm: „Captain Scott, Sir, sind Sie wach?“ Scott erkannte die Stimme sofort, es war seine 1. Wissenschaftsoffizierin. Er sagte gequält zu ihr: „Iris, warum sind Sie schon so fit. Ich fühle mich als hätte ich 100 Jahre geschlafen. Ich werde zu alt für diese Tiefkühlung.“ – „Sir, versuchen Sie ihren Kreislauf in Gang zu bekommen. Es gibt Probleme. Die Canyonbreed ist noch nicht im Landeanflug von LV-426. Wir sind gerade mal 6 Monate unterwegs.“ Iris half Scott aus der Schlafkammer. Er schaute sich um und entdeckte einige offene und einige noch geschlossene Tiefschlafkammern im Raum. Gestützt von Iris schleppte sich Captain Scott zum Lift und gemeinsam fuhren sie rauf zum Kommandodeck. Dort saßen und standen bereits einige Offiziere an ihren Computerkonsolen und werteten verschiedene Daten aus. Scott bestellte seinen 1. Offizier zu sich: „Lieutenant Jordan, einen Statusbericht bitte!“ Jordan drehte sich von seiner Konsole weg: „Sir, vor 2 Tagen erhielten wir einen Notruf vom einem Planeten namens „Fury 161″. Da wir uns nur einige Tage entfernt befanden, änderte das automatische Notfall-Programm den Kurs des Autopiloten. In 2 Tagen und 16 Stunden sind wir in der Umlaufbahn von Fury 161. Laut dem Notruf wurde dort der Atmosphärenwandler komplett zerstört. Giftige Gase veränderten zudem in den letzten Wochen das Klima. In abgeriegelten Gebäuden ist noch genug Atemluft vorhanden, aber draußen überlebt man ohne Sauerstoffgerät nicht lange.“ Captain Scott kratze sich an seinem Bart: „Erzählen Sie mir was über Fury 161. Besonders wie viele Menschen dort leben.“ – „Sir, das Archiv zeigt hier nur einige Daten, die allerdings schon 7 Jahre alt sind. Fury 161 wurde wegen seinem großen Vorkommen von verschiedenen Metallen besiedelt. Vor 12 Jahren gab es beim Erzabbau Unregelmäßigkeiten. Es wurden kleinere insektengroße Lebensformen gefunden. Daraufhin wurde eine moderne Forschungsstation auf Fury 161 installiert. Nach einigen Monaten wurden die Forscher aus Kostengründen wieder abgezogen. Laut den letzten Berichten leben dort 386 Menschen.“ Captain Scott schaute Iris an und fragte dann wieder seinen 1. Offizier: „Gehört die Anlage auf Fury 161 zur DNG Corporation?“ – „Nein Sir, es handelt sich um eine religiöse Gemeinschaft. Sie nennt sich selber „Bruderschaft des Craig“. Abkürzung: BDC. Der Namensgeber Craig ist auch deren Anführer.“ Scott hielt kurz inne und dann gab er Befehle an alle Offiziere: „Hören Sie zu, wir machen einen kleinen Abstecher zu einer Rettungsmission. Behalten Sie den Kurs auf Fury 161. Scannen Sie sorgfältig die Umgebung. Nehmen Sie Funkkontakt auf, sobald wir in Reichweite sind. Holen Sie alle Ärzte, einige Techniker und Lagerarbeiter aus dem Tiefschlaf. Ich möchte, dass die Krankenstationen voll besetzt sind. Machen Sie die Reserve- Kälteschlafkammern klar und bereiten Sie alles für ein paar zusätzliche Gäste vor. Und wecken Sie auch lieber die DNG-Marines. Ich will hier kein Risiko eingehen. Alle Siedler, sowie alle nicht unbedingt benötigten Crewmitglieder bleiben im Tiefschlaf.“ Auf der Brücke begann ein lebhaftes Treiben. Alle anwesenden Offiziere begannen die Anweisungen des Captains umzusetzen. Dieser ließ sich müde in seinen Sessel fallen und sagte zur Chefin der Wissenschaftsabteilung: „Bruderschaft des Craig? Religiöse Fanatiker sind doch längst Relikte aus vergangenen Jahrhunderten. Iris, schauen Sie mal in ihren schlauen Computern, ob Sie was über diese Bruderschaft herausbekommen.“

2 Tage später befand sich die Canyonbreed dann im Landeanflug auf Fury 161. Per Funk hatte man dort bereits die Landung angekündigt und die Rettungsmaßnahmen wurden auf beiden Seiten vorbereitet. Die Bruderschaft des Craig hatte die Einwohnerzahl des Planeten auf 344 korrigiert. Außerdem wurde der BDC erlaubt, alle persönlichen Gegenstände sowie technische und wissenschaftliche Ausrüstung mit an Bord zu nehmen. Einzige Bedingung: Innerhalb von 12 Stunden nach Landung musste alles an Bord sein. Danach sollte der Flug fortgesetzt werden. Captain Scott kam auf die Brücke. Er schaute durch die Fenster auf einen trostlosen dunkelgrauen Planten, der langsam näher kam. Die 1. Wissenschaftsoffizierin trat neben ihm schaute ebenfalls auf diesen öden Fels mitten im Nirgendwo. Scott schaute Iris an. Er kannte und schätze ihre Arbeit bereits seit ihrem Studium und der wegweisenden Forschung in Cyborgtechnik. „Nun Iris, was haben Sie über diesen Craig und seine Bruderschaft herausgefunden?“ – „Sir, der Computer spukt nicht viele Daten über diese BDC aus. Sie scheint noch recht jung zu sein und sich hauptsächlich auf diesem Planten Fury 161 geformt zu haben. Aber ich habe etwas über diesen Craig rausgefunden. Er war jahrelang Mitglied von „Blue Sun“. Einer friedlichen Religionsgemeinschaft, welche vor einigen Jahrzehnten gegründet wurde. Dort fiel er negativ auf, weil er Ungläubige mit Psi-Kräften bekämpfte. Blue Moon wollte keine negative Publicity und verbannte ihn aus der Gemeinschaft. Craig verlor sein berufliches und privates Ansehen bei Blue Moon. Daraufhin schob man ihn als Hilfsarbeiter auf Fury 161 ab. Das Ganze ist nun 18 Jahre her. Danach gibt es keine weiteren Infos im Zentralarchiv über ihn.“ Captain Scott runzelte die Stirn: „Danke Iris. Psi-Kräfte? Ich hoffe, wir werden diese Rettungsaktion nicht noch bereuen.“ Iris sah die Sorgen, die Scott ins Gesicht geschrieben standen.

Kurze Zeit später landete die Canyonbreed auf Fury 161. Der 1. Flugoffizier Dallas hatte einige Mühe das Mutterschiff sicher auf den Boden zu bekommen, weil die Landeplattform nicht für so große Raumschiffe gebaut war. Aber dank der spärlichen Bebauung des Zielgebietes klappte es problemlos beim zweiten Anlauf. Die große Zentralladeluke öffnete sich und zwei Trupps der DNG-Marines traten auf den steinigen Boden der Plattform. Sie sicherten die Umgebung mit gezogenen, aber gesicherten Waffen. Außerdem trugen Sie Sauerstoffmasken zur Sicherheit. Genauso wie die Techniker, die kurz darauf das Schiff verließen und sich mit kleineren Transportmaschinen in Richtung der Häuserblocks aufmachten. Von dort kamen ihnen schon einige Menschen entgegen, die ebenfalls Atemschutzmasken aufhatten. Sergeant Dillon sollte die Rettungsmission vor Ort leiten und für einen zügigen Ablauf sorgen. Er ging mit einer freundlichen Geste auf die Gruppe Fremder zu und sprach den Vordersten von ihnen an. Trotz Atemschutzgerät konnte man sich aus kurzer Entfernung ganz gut unterhalten. Dillon schüttelte seinem Gegenüber kurz die Hand: „Sind Sie Craig?“ – Der Mann machte große Augen: „Aber nein! Mein Name ist Kane. Ich bin die rechte Hand von…“ Sergeant Dillon unterbrach ihn: „Sorry, aber ich soll den Kontakt mit Craig herstellen, Befehl von Captain Scott. Wo finde ich diesen Craig?“ Kane erschrak sichtlich durch die Maske: „ Diesen Craig? Werter Herr, Sie sprechen hier vom obersten Brudermeister Craig persönlich. Ich bitte um etwas mehr Respekt ihm gegenüber. Er meditiert gerade in seinem privaten Zimmer. Er wird dann zu uns stoßen, wenn er fertig ist.“ Dillon schüttelte den Kopf: „Meditieren? Dies ist eine Rettungsmission. Ich werde ihn schon da drin finden. Sie sind die rechte Hand? Sorgen Sie dafür, dass ihre Leute zügig an Bord der Canyonbreed kommen. In 12 Stunden fliegen wir ab und alles was bis dahin nicht an Bord ist, bleibt hier.“ Bevor Kane noch etwas sagen konnte, hatte Dillon bereits 3 weiteren DNG-Marines ein Handzeichen gegeben und diese folgten ihm in das Haupthaus der Siedlung.

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Autor: Kallisto

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