Das totale Chaos

Kapitel 5

Erst war ein leises Geräusch im Hintergrund. Dann wurde es langsam lauter, aber Iris konnte es nicht einsortieren. Sie brauchte ein paar Minuten um zu begreifen, dass sie gerade aus dem Kälteschlaf erwachte. Aber irgendwas war anders als sonst. Sie hatte sofort das Gefühl, hier stimmt irgendwas nicht. Sie wollte sofort aufspringen, aber ihr Körper spielte noch nicht mit. Sie versuchte sich zu konzentrieren, einen klaren Gedanken zu fassen. Wo bin ich? Natürlich immer noch an Bord der Canyonbreed. Was ist zuletzt passiert? Nach der Rettungsaktion auf Fury 161 flog das Schiff weiter Richtung LV-426. Wir müssten also bereits in Reichweite von LV-426 sein. Trotzdem passte hier irgendwas nicht zusammen. Das Nachdenken fiel ihr schwer, aber nach einigen Sekunden hatte sie es. Dieses Geräusch im Hintergrund, das war der Alarm. Und zwar nicht irgendein kleiner Alarm, das war der Hauptalarm. Irgendetwas Ungewöhnliches musste passiert sein. Iris öffnete die Augen. Ihre Schlafkammer war geöffnet. Sie versuchte aufzustehen, aber ihre Beine waren noch nicht soweit. Sie schaute sich um. Iris war in ihrem persönlichen Labor. Sie hatte ihre Schlafkammer extra dort hinstellen lassen, um immer sofort an die Arbeit gehen zu können. Ihre Computer liefen bereits alle und zeigten einige Notmeldungen an. Langsam schlug sie ihre Beine aus ihrer Kammer und sie merkte, wie ihr Kreislauf langsam wieder anfing seinen Dienst zu tun. Mühsam schleppte sie sich zu einem ihrer Computer und sah sich die Meldungen genauer an. Iris stockte der Atem. Die Canyonbreed war durch ein Asteroidenfeld geflogen. Wie konnte das geschehen? War bei der Kursberechnung irgendwas schief gelaufen? Iris schaute sich die Schadensberichte heraus, welche der Computer bereits berechnet hatte. Beide Hauptantriebe waren defekt. Es kam wegen Überhitzung zu kleineren Explosionen an den Triebwerken und das Notprogramm schaltete diese komplett ab, um eine große Katastrophe zu verhindern. Die Triebwerke könnten vermutlich nur in einem Dock repariert werden. Die Hilfstriebwerke hielten das Schiff in einer stabilen Umlaufbahn. Aber das war nicht LV-426, das eigentlich Ziel der Mission. Die Umlaufbahn gehörte zu dem ihr unbekannten Planeten Ronith-4. Was in aller Welt war geschehen? Die gute Nachricht war, dass der Hauptreaktor keinerlei Schaden anzeigte. Das wäre definitiv das Ende der gesamten Canyonbreed gewesen. Stromversorgung und Lebenserhaltungssysteme arbeiteten einwandfrei.

Trotzdem kam bei Iris kein Grund zur Freude auf, denn da waren noch andere Dinge nicht in Ordnung. Sie half einigen anderen Crewmitgliedern aus den Schlafkammern und sie tauschten die ihnen bekannten Informationen aus. Sie beschlossen zum HQ zu gehen, den zentralen Knotenpunkt der Canyonbreed. Dort hätte man einen besseren Überblick über alle Systeme des Schiffes. Iris und einige Techniker gingen durch einige Gänge Richtung Hauptquartier, als sie plötzlich von einem Roboter angegriffen wurden. Er ging mit einer Art Schwert auf die unbewaffneten Crewmitglieder los. Sergeant Paxxton kam zur Hilfe und mit einigen gezielten Schüssen aus seinem R10-Plasma-Gewehr schaltete er den Angreifer aus. Iris schaute sich entsetzt den Roboter an: „Das ist ein alter ITC-5. Der ist eigentlich als Arbeitsroboter auf LV-426 vorgesehen. Der soll Wohneinheiten bauen und keine Menschen angreifen. Wer hat den umprogrammiert?“ Als sie noch überlegt, kommen bereits 3 weitere ITC-5 um die Ecke mit bedrohlichen Gesten. Sergeant Paxxton drucke alle DNG-Mitarbeiter einen langen Gang entlang und rief: „Los in dieser Richtung liegt das HQ!“ Zusammen liefen sie einige Gänge, die ITC-5 folgten ihnen. Vor der rettenden Tür zum HQ standen 4 weitere ITC-5, welche die kleine Gruppe aggressiv empfing. Iris rief: „Dieser Weg ist versperrt. Folgt mir, ich kennen einen Geheimgang!“ Iris drückte einen für die anderen versteckten Schalter und es öffnete sich eine kleine Luke. Schnell schlüpften alle hindurch und schlossen die Luke hinter sich. Die ITC-5 scannten erfolglos die Gänge ab. Iris führte die Gruppe durch den Gang bis zu einer Tür, die direkt ins HQ endete. Diese Tür war frei und Iris öffnete die Tür zum HQ. Paxxton schloss sie und stellte sicher, dass keine weiteren Gegner hinterher kamen. Nach einem kurzen Check war klar, dass das HQ sicher war. Iris klemmte sich sofort an ihr Terminal und überprüfte die Lage. Sergeant Paxxton verlies das HQ alleine wieder, um weitere DNG-Mitglieder ins sichere HQ zu retten. Iris stellte fest, dass die BDC wohl schon komplett aus ihren Schlafkammern heraus war, außerdem waren einige Türen in diesem Sektor aufgebrochen worden. Waren sei an der Kollision mit dem Asteroiden beteiligt? Wo war Captain Scott? Die Tür zu seinen privaten Räumen war aufgebrochen, aber vom Captain selber, fehlte jede Spur. Einige Siedler waren auch bereits aus dem Tiefschlaf aufgewacht, andere schiefen noch. Aber sie schienen zumindest wohlauf. Auf der Brücke schienen sich einige Unbekannte verbarrikadiert zu haben. Wer war das und woher kamen die plötzlich? Eine Tür vom HQ öffnete sich und Sergeant Paxxton stolperte herein mit weiteren Mitgliedern der DNG. Iris kam ihnen zu Hilfe und kümmerte sich um Lirel. Sie war eine Freundin von Iris, sie gehörte zur nicht-militärischen Sicherheit an Bord. Lirel stand die Angst ins Gesicht geschrieben: „Iris, was ist hier los? Uns haben fast diese ITC-5 erwischt, das war haarscharf.“ Iris versuchte sie zu beruhigen: „Hier seid ihr erstmal sicher. Aber es gibt noch andere von der DNG-Crew und auch Siedler die unsere Hilfe brauchen. Aber ich werde nicht unnötig Menschenleben auf Spiel setzen. Lirel, wir haben doch die RCUs, die Remote Control Units. Weißt du, wo diese sind und wie ihr Status ist?“ Lirel setze sich an einen anderen Terminal: „Wir haben gleich hier nebenan im Trainingsraum eine kleine Armee von RCU´s. Sie sind nur leider alle fabrikneu. Also komplett ohne Ausrüstung, Upgrade oder Erfahrung. Sie haben nur die R11-A Standardwaffe.“ Sergeant Paxxton unterbrach die beiden: „Ich gehe mal in die andere Richtung und schaue mal, ob ich ein paar Zivilisten auf dem Weg ins HQ helfen kann.“ Iris nickte ihm zu: „Ja, sei vorsichtig! Wer weiß, was inzwischen noch alles hier so an Bord ist. Lirel, Mach die RCU´s bereit und lasse sie einer nach dem anderen durch unser Kurz-Trainingsprogramm laufen. Diejenigen, die es absolviert haben, schickst du auf kleine Erkundungs- und Sicherungsmissionen rund um das HQ. Wenn sich davon welche als besonders geeignet hervortun, dann schick sie bitte zu mir. Ich werde dann kleine Trupps mit Spezialaufgaben zusammen stellen. Und wir müssen dringend Captain Scott finden. Wir haben viel zu tun, fangen sofort wir!“

 

Autor: Kallisto

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